St. Josef, Kirche Grünwinkel

An der heutigen Hauptdurchfahrtsstraße von Grünwinkel erhebt sich die Kirche St. Josef. Sie ist der erste Kirchenneubau in Karlsruhe nach dem Zweiten Weltkrieg, wohl aufgrund ihrer besonders langen Vorgeschichte. Zwar hatte Grünwinkel eine Kapelle, die bald nach dem Gutshof der Markgräfin Sibylla Augusta im 18. Jahrhundert errichtet worden war, aber keine eigene Pfarrstelle. Die Grünwinkler mussten nach Mühlburg oder Daxlanden zur sonntäglichen Messe wandern. Um 1900 hatte der Ort schon 1000 Seelen, aber kein Geld für einen Kirchbau. Zwar schenkte Robert Sinner, Generaldirektor der Firma Sinner, der Gemeinde ein Grundstück in der Zeppelinstraße, doch der Kirchbauwunsch blieb in weiter Ferne. Als die Bonifatiuskirche in der Karlsruher Weststadt im Bau war, zeichnete sich die Zwischenlösung ab, von dieser die sog. „Notkirche“ zu übernehmen. Pfingstmontag 1909 konnte die Notkirche mit dem Namen St. Josef benediziert werden. Notkirchen waren als preiswerte Provisorien auf wenige Jahre Haltbarkeit konzipiert. Aus den wenigen Jahren wurde wegen der äußeren Umstände fast ein halbes Jahrhundert. Aus dieser Zeit des Kaiserreichs, als soziale Spannungen mit der Arbeiterschaft an der Tagesordnung waren, ist auch das Kirchenpatronat verständlich, denn der Hl. Josef gilt als Patron der Arbeiter. Noch bis in die 1970er-Jahre blieb die Notkirche stehen, obwohl der definitive Kirchenneubau schon lange vollzogen war.
Im April 1955 legte Werner Groh die Pläne für die Kirche vor, der erste Spatenstich erfolgte am 31. August, und am 6. Oktober 1957 wurde die Kirche geweiht. Breit gelagert liegt die Kirche inmitten des weiten Grundstücks, der Glockenturm abseits zur Straße hin. Ungewöhnlich am Entwurf des Grundrisses ist, dass der weite Kirchensaal sich zum Altarbereich noch mehr erweitert. Die Kirche erscheint dem Eintretenden weniger lang als breit. Das entsprach dem Willen des Architekten, die Gemeinde möglichst nahe an die Altarinsel heranzuholen. Gleichzeitig setzte Groh den Hochaltar von der Chorrückwand ab, um den Altar zum gemeinsamen Opfertisch zu erheben. Entsprechend dem symbolhaften Charakter des Altars erreicht die Kirche hier ihre höchste Erhebung im sonst flachen Dach. Diese Konzeption des Architekten löste im Erzbischöflichen Bauamt heftige Diskussionen aus, doch konnte sich Groh durchsetzen und mit seiner architektonischen Gestaltung Bestimmungen des viele Jahre später tagenden Zweiten Vatikanischen Konzils vorwegnehmen.
Die zeitgenössische Inneneinrichtung ist größtenteils erhalten geblieben. Clara Kress entwarf die hellen Glaswände der Chorseiten entsprechend dem Bibelvers „Ich bin das Licht der Welt …“ (Joh 8,12). In den typischen Formen der Nachkriegszeit schuf Roland Peter Litzenburger das Kommuniongeländer und die Kirchenportale. Das Altarkreuz stammt von der Benediktinerin Lioba Munz aus Fulda, das Tabernakel von Albert Kunz aus Pforzheim. Acht Jahre später ergänzte Emil Sutor die Ausstattung mit Reliefs des Kreuzwegs und Statuen des Auferstandenen, der Gottesmutter und in einer Seitenkapelle des Hl. Josef.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
Adresse
St. Josef, Kirche Grünwinkel
Eichelbergstr. 1
76189 Karlsruhe
Eichelbergstr. 1
76189 Karlsruhe

