Heilig Geist-Kirche Daxlanden

Geschichtliches
Am Rand des alten Ortskerns von Daxlanden liegt die Kirche Heilig Geist. Seit hundert Jahren ist sie die katholische Hauptkirche dieses Stadtteils und hat die barocke Kirche St. Valentin in dieser Rolle abgelöst. Jene war im 19. Jahrhundert zu klein geworden, und um 1900 erschien ein Kirchenneubau unumgänglich, aber auch schwer finanzierbar. Eine provisorische Kirche – eine „Notkirche“ – schied aus, denn das hätte den Kirchbauwunsch um Jahrzehnte verschoben. Es wurde nicht nur in der Pfarrgemeinde heftig diskutiert, sondern auch in der politischen Gemeinde. Durch den nahen Hafen, der im Jahr 1901 seinen Betrieb aufnahm, wohnten immer mehr Arbeiter in Daxlanden, von denen es hieß, sie seien kirchenfern und hingen sozialistischen Zielen an. Im Bürgerausschuss wurde 1907 mit knapper Mehrheit beschlossen, den gemeindeeigenen Friedhof für den Kirchenbau zur Verfügung zu stellen, doch nach wie vor reichte das Geld nicht. Die entscheidende Hilfe kam dann drei Jahre später, als Daxlanden nach Karlsruhe eingemeindet wurde: Auf die Bevölkerung von ganz Karlsruhe gerechnet, befanden sich die Katholiken in einer krassen Diaspora, also konnte Hilfe vom katholischen Bonifatius-Verein angefordert werden, dessen Aufgabe es war und ist, arme Gemeinden in Minderheitensituationen zu unterstützen. Im Januar 1910 erfolgte die Eingemeindung nach Karlsruhe, im Herbst begannen die Bauarbeiten. Pfingsten 1911 wurde der Grundstein gelegt (in der Vorhalle sichtbar), und am 27. Oktober 1912 wurde der große Kirchenbau geweiht. Die Freiburger Kirchenbehörde hatte eine neoromanische Basilika gewünscht, doch Johannes Schroth, dem Leiter des Erzbischöflichen Baubüros in Karlsruhe, gelang es, die engen Vorgaben zu überwinden und moderne Stiltendenzen der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg aufzunehmen. Die Basilika zeigt sich nach außen als monumentaler hochgestreckter Baukörper, der mit Seitenkapellen bereichert wird. Im Chorbereich ist der Glockenturm angefügt. Mit ihm nahm Schroth einerseits auf die Geschichte Bezug, weil schon in den Quellen um 1500 die Kirche von Daxlanden mit ihrem sehr hohen Kirchturm geschildert wird, und andererseits schuf er mit dem 53 Meter hohen Turm das weithin sichtbare neue Wahrzeichen des Ortes. Zugleich bildet die Kirche zusammen mit dem geräumigen Platz davor und dem Schulgebäude zur Seite die neue moderne Ortsmitte.
Um den Bau zu akzentuieren und zu gliedern, benutzte Schroth zwar nach wie vor Dekorationselemente aus der Romanik, etwa Rundbogenfriese und Klötzchengesimse, aber der Gesamteindruck wird durch den glatt verputzten, ornamentlosen Baukörper bestimmt. Ebenso wandte Schroth das Prinzip der Asymmetrie an, das den Bau modern und lebendig erscheinen lässt. Über der offenen Vorhalle schuf Schroth mit fünf Arkaden auf überlangen dünnen Säulen Platz für das große Heilig-Geist-Fresko von Otto Rünzi.
Das Innere der Kirche wurde 1960-63 stark purifizierend renoviert, zeigt aber ansonsten die Originalausstattung. Die farbige Raumfassung selbst ist modern. Im Vorraum erinnern zwei Inschriftensteine an die historische Situation: der eine ist der Grundstein von 1911, der andere erinnert an den Friedhof, der sich hier befunden hat. Im Langhausobergaden stehen über den romanisierenden Säulen mit Würfelkapitellen die zwölf Apostel, sie bilden die tragenden Säulen der Kirche, zwischen ihnen die Kanzel mit germanischen Ornamentmotiven. In den Seitenschiffen sind die Beichtstühle geschickt mit in die Außenwand der Kirche integriert. Zur Originalausstattung gehören auch die Pietàkapelle, der Herz-Jesu-Altar und das Kirchengestühl.
Mehrere Male wurde die Kirche renoviert und ihre Ausstattung ergänzt. Die Taufkapelle am Kircheneingang, in die 1964 der Taufstein der St. Valentinskirche von 1773 übertragen wurde, erhielt zwei Glasfenster von Franz Dewald, die den Lebensbaum und ein Reh an der Wasserquelle zeigen. Gisela Bär schuf 1962 eine eindringliche Sitzstatue der Hl. Maria mit Kind. Das moderne Altarensemble haben Barbara Jäger und OMI Riesterer 1981 entworfen. An der Sakristeiaußenseite wurde ein Kruzifix aus dem Jahr 1792 angebracht, das vom alten Friedhof stammt.
Virtueller Rundgang durch die Heilig Geist Kirche
![]() | Der Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
Adresse
Heilig Geist-Kirche Daxlanden
Kastenwörtstraße 23
76189 Karlsruhe Daxlanden
Kastenwörtstraße 23
76189 Karlsruhe Daxlanden

